altonale Kunstherbst
Strahlender Sonnenschein. Schneidende Kälte. Einkäufe erledigt. Endlich Zeit für einen Bummel im Kunstkaufhaus. Im Rahmen des altonale Kunstherbsts sind das ehemalige Karstadtgebäude und die sonst versteckt gelegenen Ateliers im Forum für interessierte Besucher geöffnet. Wenn man denn den Eingang findet. “Sieht man ja kaum”, meint die ältere Dame enttäuscht, die “Eingang” auf die Tür pinselt. Schwarz auf Silber ist sehr subtil, keine Frage. Aber wäre etwas Großes, Knallrotes nicht mehr ins Auge gesprungen?
Egal. Diesmal nur im Erdgeschoss, wirkt das Ganze wie eine kleine, aber feine Kunstmesse. Abgeteilte Räume durch Stellwände. Der Besucher wird in einem Rundkurs durch die verschiedenen Angebote geführt. Gleich nach den ersten Metern fallen mir die großformatigen Akte des Malers Hartmut Struck ins Auge. Sinnlich. An- und aufregend. Der sympathische Maler drückt mir eine CD in die Hand, aus der ich erfahre, dass der auf figürliche Malerei spezialisierte Struck Anatomie bei Marianne Weingärtner studiert hat. Kein Wunder. Eine ganze Wand ist seinen Portraits gewidmet, seinem zweiten Schwerpunkt.
Dann treffe ich den georgischen Maler Mirian Japaridze, der wunderbare Akte und gemeinsam mit seiner Frau Liana Nakashidze Arbeiten in Öl geschaffen hat, die ich in einer direkten Reihe mit Bildern des abstrakten Expressionisten Mark Rothko sehe. Mal farbstark, mal meditativ. Beeindruckend. Er gibt mir einen Flyer, auf dem das Bild “Without Title” von 2004 abgebildet ist. Ich verfluche mein leeres Portemonnaie. Leider weiss ich nicht, ob er es schafft, mir das Bild digital zuzumailen, damit ich es Ihnen hier zeigen kann. Ich bin mir nicht sicher, ob er mit der Bildbearbeitung fürs Internet vertraut ist. Aber gehen Sie einfach selber hin. Bis Sonntag abend hat das Kunst-Kaufhaus noch geöffnet. Beim Herausgehen fällt mein Blick auf das Schaufenster. Eine junge Frau drapiert bunte Särge! Zuerst bin ich ein wenig pikiert. Särge, quietschbunt! Dann denke ich an New Orleans. Eine Trauergemeinde marschiert gen Friedhof. Zuerst langsam und bluesy und dann plötzlich explodiert die Musik in einen fröhlichen Ragtime. Alles tanzt und feiert das Leben. Mein Interesse ist geweckt: Ich bitte die Künstlerin Kim Howard, Bilder zu schicken. Ich wünsche allen genannten Künstlern viele Kunden im Kaufrausch…

