Journalismus: Die goldenen Zeiten sind vorbei

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Von links nach rechts: Mathias Greffrath, Hermann Schreiber, Ulrike Hermann. Auf dem Bild nicht zu sehen: Mely Kiyak.

“Die goldene Zeit des Journalismus ist vorbei” sagt einer, der es wissen muss. Hermann Schreiber, Jahrgang `29 (ZEIT, SPIEGEL, GEO, NDR-Talkshow), ist froh, dass er jetzt raus ist. Und hat Mitgefühl mit den Jungen. “Im Journalismus wirksam zu werden, braucht Zeit. Ohne (Fest-)Anstellung geht das kaum.” Schreiber spricht über die Perspektiven der Generation Praktikum: “Die Welt ist geschlossen. Man braucht uns nicht.” Mely Kiyak, Journalistin aus Leipzig, eine junge Frau, die Schreibers Enkelin sein könnte, sagt: “Ich bin das Medien-Prekariat”.

“Sich Gehör verschaffen”. Unter diesem Motto hatte die Körber-Stiftung am 28.3.2007 Journalisten dreier Generationen zu einer Podiumsdiskussion in die Hafencity Hamburg eingeladen. Vor etwa 150 Zuhörern fragt die Moderatorin Ulrike Herrmann (taz) ihre Kollegen: “Warum schreiben Sie?” Schreiber: “Es ist das, was ich am besten kann.” Mathias Greffrath (ZEIT, Wochenpost) verwies auf seine “dreifache Charakterschwäche”: “Ich bin nicht fleissig und nicht gründlich genug für einen Wissenschaftler, nicht eitel genug für einen Schriftsteller und nicht mutig genug für einen Politiker.” Kiyak: “Weil ich gern laut denke!” Und weil sie eitel und ein bisschen exhibitionistisch sei.

Drei sehr unterschiedliche Charaktere, die aber darin übereinstimmen, was Journalismus sein soll: vor allem Aufklärung. Er soll den Ausschnitt vergrößern. Greffrath: “Blende 16, mehr Tiefenschärfe”. Schreiber sagt, dass Journalisten vor allem Geschichten erzählen sollen: voraussetzungslos, handwerklich gut gearbeitet, mit einer gelungenen Dramaturgie. Greffrath ergänzt, dass “Herzton” wichtig sei, Mut zur Subjektivität. Kiyak sagt, dass auch Unterhaltung ein Vehikel der Aufklärung sein könne und schwärmt für den Essay als journalistischer Darstellungsform. Sie wende sich gegen die gepflegte Langeweile im Stil mancher Bildungsblätter.

Das Publikum besteht in der Mehrzahl aus ältlichen Bildungsbürgern. Als sie den Saal betreten, haben einige eine “tageszeitung” in der Hand. Sie muss im Foyer verteilt worden sein. Sie tragen sie wie einen Ausweis, wie ein geheimes Zeichen, wie eine Rose im Knopfloch. Zu meinem Ärger setzt sich eine ältliche Dame vor mich. Ihr aufdringliches Parfüm ist atemberaubend. Ob sie sich selbst nicht riechen kann? Nach knapp eineinhalb Stunden brauche ich frische Luft und fliehe in eine laue Frühlingsnacht. Auf dem Weg zum Baumwall geniesse ich die Lichter, die Schiffe, den Hafen. Die Aussichten? Alles andere als rosig. Neue Berufe müssen her. Die neue Trends integrieren. Bürgerjournalismus und Blogs. Lokal ergänzt global. Ich werde an dieser Entwicklung teilhaben. Weil ich will und weil ich muss…

3 Responses to “Journalismus: Die goldenen Zeiten sind vorbei”

  1. Georg Says:

    Neue Berufe müssen her? Ja!! Was aber gehört dazu? Mehr Selbstverantwortung? Mehr Mut? Amerikanische Verhältnisse? Kaum Festanstellungen, kaum soziale Absicherung? Wer ist schuld, wenn ich nicht kann? Wirklich immer die anderen? Und wenn es nicht der böse Politiker ist dann doch wenigstens der böse Vater, die dumme Mutter? Ach. es ist die Gesellschaft?
    Polemik hilft nichts, ist mir klar. Immer wieder erlebe ich auf allen Seiten Schuldzuweisungen. Und nur selten den Mut, Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen. In der PC Spielebranche ist es seit jeher üblich- freie Programmierer, weltweit verstreut, finden sich virtuell zu einem Projekt zusammmen. Ist es erledigt, geht jede/r seines Weges und macht neue Projekte. Das geht! Aber zu welchem Preis?

    Geiz ist Geil- ja, aber wohin führt das alles?

    Schade, ich hab auch nicht die Lösung.
    Ausser Polemik nichts gewesen? Mehr Selbstverantwortung, guten Wein und gute Freunde, so wie Dich HC, DAS wäre auf jeden Fall ein Schritt!!

  2. hcw Says:

    Mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen? Du hast recht! Um mit Unsicherheiten gelassener umgehen zu können,ist es wichtig, ein “wertschätzendes Umfeld” zu haben, so wie Du es neulich beschrieben hast, Georg. Hat mich richtig neidisch gemacht. Es schwimmt sich leichter im Haifischbecken, wenn man sich irgendwao mal ausruhen kann. Aber auch für dieses Umfeld habe ich selbst zu sorgen…

  3. Georg Says:

    …und das tust Du!! Mir bist Du auf jeden Fall ein besonders lieber Freund, ein besonderes und wertschätzendes Umfeld bist Du mir oft genug gewesen, sogar so sehr, daß du selbst zeitweise zum Hai werden konntest, wenn es nötig war. Und es war und ist manchmal nötig ;-)

    Wer ist mir Freund? Der der sabbernd hinter mir her schwimmt auf seiner eigenen Schleimspur, oder der, der auch mal den MUT hat, den Hai rauszulassen? Durch wen, durch wessen MUT, kann ich mich entwickeln, mir selbst begegnen?

    Ja, da läuft mancher weg weil er Haie wie Dich nicht ertragen kann. Und übersieht dabei, wen er in Wirklichkeit nicht ertragen kann- sich selbst.
    Spieglein Spieglein an der Wand….. ;-)

    Nein halt, genug den Samurai gegeben. Du bist wahrlich nicht nur Spiegel und Hai, Du bist mir FREUND!!!! Und dafür verneige ich mich glücklich und dankbar vor Dir. Punkt.

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