Archive for März, 2007

Bilder einer Ausstellung

Samstag, März 31st, 2007

“Gaußstraße macht auf!” heisst es in der Einladung. Sieben Künstler präsentieren sich und ihre Arbeiten in der alten Gewerbeschule mitten in Ottensen. Fast überwiegend Maler. Susanne, die mich eingeladen hat, mitzukommen, geht voran. Wir steigen eine alte Holztreppe hinauf in den ersten Stock, wo die Ateliers liegen. Große, helle Räume, weiss, hohe Fenster. “Manchmal etwas kalt im Winter”, berichtet Kerstin Meyer. Ein großer “Stellvertreterelefant” (für den kleinen direkt darüber) führt in ihr Atelier.

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Sie illustriert Kinderbücher für die Autorin Cornelia Funke (”Tintenherz”). Aber auch der Pinguin Percy ist bemerkenswert. Besonders als Mona Lisa. Ihre Kollegin präsentiert derweil ein ganz besonderes Stück Kunst: Der Wasserhahn im Atelier ist komplett mit Kreppband verklebt. Davor ein Schild: “Bitte nicht benutzen”. Ein Besucher beginnt scheinbar ernsthaft mit den Preisverhandlungen.

Wir gehen weiter in das Atelier von Regine Kalmàr und Anita Dicke. Hier faszinieren neben den Bildern viele kleine Arrangements und Stilleben. Mal sind es Utensilien wie Pinsel, die zum Zugreifen einladen. In der Ecke eine Maske mit Federn, die Geheimnisse zu bergen scheint. Und auf dem Fensterbrett: Skurrile Holzstücke, die mit den Aktmalereien an den Wänden korrespondieren: “Die haben wir aus Neuseeland mitgebracht”, sagt Frau Kalmàr mit Sammlerstolz.

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Es wird Zeit sich zu verabschieden. Schliesslich sind auch die Elbe, blühende Pflanzen und die Sonne am Himmel kostbare Kunstwerke…

Journalismus: Die goldenen Zeiten sind vorbei

Donnerstag, März 29th, 2007

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Von links nach rechts: Mathias Greffrath, Hermann Schreiber, Ulrike Hermann. Auf dem Bild nicht zu sehen: Mely Kiyak.

“Die goldene Zeit des Journalismus ist vorbei” sagt einer, der es wissen muss. Hermann Schreiber, Jahrgang `29 (ZEIT, SPIEGEL, GEO, NDR-Talkshow), ist froh, dass er jetzt raus ist. Und hat Mitgefühl mit den Jungen. “Im Journalismus wirksam zu werden, braucht Zeit. Ohne (Fest-)Anstellung geht das kaum.” Schreiber spricht über die Perspektiven der Generation Praktikum: “Die Welt ist geschlossen. Man braucht uns nicht.” Mely Kiyak, Journalistin aus Leipzig, eine junge Frau, die Schreibers Enkelin sein könnte, sagt: “Ich bin das Medien-Prekariat”.

“Sich Gehör verschaffen”. Unter diesem Motto hatte die Körber-Stiftung am 28.3.2007 Journalisten dreier Generationen zu einer Podiumsdiskussion in die Hafencity Hamburg eingeladen. Vor etwa 150 Zuhörern fragt die Moderatorin Ulrike Herrmann (taz) ihre Kollegen: “Warum schreiben Sie?” Schreiber: “Es ist das, was ich am besten kann.” Mathias Greffrath (ZEIT, Wochenpost) verwies auf seine “dreifache Charakterschwäche”: “Ich bin nicht fleissig und nicht gründlich genug für einen Wissenschaftler, nicht eitel genug für einen Schriftsteller und nicht mutig genug für einen Politiker.” Kiyak: “Weil ich gern laut denke!” Und weil sie eitel und ein bisschen exhibitionistisch sei.

Drei sehr unterschiedliche Charaktere, die aber darin übereinstimmen, was Journalismus sein soll: vor allem Aufklärung. Er soll den Ausschnitt vergrößern. Greffrath: “Blende 16, mehr Tiefenschärfe”. Schreiber sagt, dass Journalisten vor allem Geschichten erzählen sollen: voraussetzungslos, handwerklich gut gearbeitet, mit einer gelungenen Dramaturgie. Greffrath ergänzt, dass “Herzton” wichtig sei, Mut zur Subjektivität. Kiyak sagt, dass auch Unterhaltung ein Vehikel der Aufklärung sein könne und schwärmt für den Essay als journalistischer Darstellungsform. Sie wende sich gegen die gepflegte Langeweile im Stil mancher Bildungsblätter.

Das Publikum besteht in der Mehrzahl aus ältlichen Bildungsbürgern. Als sie den Saal betreten, haben einige eine “tageszeitung” in der Hand. Sie muss im Foyer verteilt worden sein. Sie tragen sie wie einen Ausweis, wie ein geheimes Zeichen, wie eine Rose im Knopfloch. Zu meinem Ärger setzt sich eine ältliche Dame vor mich. Ihr aufdringliches Parfüm ist atemberaubend. Ob sie sich selbst nicht riechen kann? Nach knapp eineinhalb Stunden brauche ich frische Luft und fliehe in eine laue Frühlingsnacht. Auf dem Weg zum Baumwall geniesse ich die Lichter, die Schiffe, den Hafen. Die Aussichten? Alles andere als rosig. Neue Berufe müssen her. Die neue Trends integrieren. Bürgerjournalismus und Blogs. Lokal ergänzt global. Ich werde an dieser Entwicklung teilhaben. Weil ich will und weil ich muss…

Jäger und Sammler: Harald Falckenberg

Mittwoch, März 28th, 2007

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“Als ich anfing zu sammeln, hatte ich keine Ahnung”. Dr. Harald Falckenberg erinnert sich amüsiert. “Dann habe ich mich mit Strukturalismus beschäftigt.” Studien über Kunst und Philosophie folgten. Sein jetziger Stand? “Man muss sich vom Selbstbehauptungswillen trennen, um wieder offen zu werden”.

Eigentlich sollte der Jurist, Unternehmer und exzessive Sammler, der 1500 Werke sein eigen nennt, über simulierte Wirklichkeit sprechen. Und über Medienkunst. Das Kultwestwerk hatte zum Vortrag mit anschliessender Diskussion in die Altonaer Große Bergstraße eingeladen. Falckenberg schlug einen grossen Bogen von der Entdeckung des Lokalen als Abgrenzung gegenüber der Globalisierung (Sloterdijk), über die Psychoanalyse und die Hirnforschung zum innovativen Austausch von Alt und Neu, Moderne und Postmoderne. Etwa 30 Zuhörer waren mit ihren Gläsern in der Hand in die Polstermöbel gesunken. Wohnzimmeratmosphäre. Ein Sammelsurium von Stühlen und Sofas prägt das Veranstaltungszentrum. “Die Kunst gibt es nicht. Nur Künstler” sagt er gegen Ende seines frei gehaltenen Vortrages. Und zitiert Churchill: “Success is going from failure to failure without a loss of enthusiasm”. Über die Diskussion schweige ich lieber höflich…

Jäger und Sammler: Roland Berger

Dienstag, März 27th, 2007

Warum sammeln Sie Kunst?, fragte die SZ online den Unternehmensberater Roland Berger. “Kunst bereichert mein Leben und meine Arbeit. Sie besitzt für mich vor allem ideellen und ästhetischen Wert. Wer arbeitet nicht lieber in einer inspirierenden Umgebung? Kunst schafft diese Atmosphäre, im Gegensatz zu einer Wand voller Firmenprospekte, Flipcharts und Kalender. Kunst fördert Kreativität. Sie bringt auf neue Gedanken, das ist für uns Unternehmensberater wesentlich.” SZ: Nach welchen Kriterien sammeln Sie? Berger: “Erstens spielt der Grad an Kreativität und Innovation eines Künstlers für mich eine große Rolle. Schafft etwa ein Maler etwas Neues oder wiederholt er, was andere schon vor ihm gedacht und verewigt haben? Zweitens, die handwerkliche Qualität. Drittens, die künstlerische Aussage, ich muss mich mit der Kunst identifizieren und mit ihr leben können. Und viertens: Ist das Werk sein Geld wert? Denn jedes Budget ist endlich.”

Gestern in “heute”

Samstag, März 24th, 2007

“Ach isser nich süss!” Nicht nur ältere Damen seufzen verzückt bei Eisbär Knuts erstem öffentlichen Auftritt. Auch Steffen Seibert (”heute”) hat Probleme, distanziert anzumoderieren. Des Menschen Umgang mit der Natur ist schwierig. Besonders der von Großstädtern. Ein ausgewachsener Eisbär würde einen Menschen in freier Wildbahn ohne zu zögern zu Hackfleisch verarbeiten. Wenn er hungrig wär. Stattdessen zeigen die zahlreich angereisten Medienvertreter ein kleines Wollknäuel, das seinem Pfleger die Hand leckt. Mich stört das. Cute Knut. Verniedlichung statt Wirklichkeit. Das war ja schon beim Braunbär Bruno zu beobachten. Der Bavaria und den Rest der Welt in Gewissenskonflikte stürzte. Nun ist er hin. Ein beschämendes Kapitel voller Inkompetenz. Wer wollte noch leugnen, dass unser Verhältnis zur Natur empfindlich gestört ist. Da berichten Forscher von dramatischen Klimaveränderungen. Wetter-Katastrophen weltweit. Der Boulevard titelt, wir hätten nur noch 13 Jahre. Und was machen wir? Verdrängen. Nicht nur Sprit in unseren Ottomotoren. Ob der kleine Knut ahnt, dass seine Artgenossen bald kaum noch Lebensraum haben, weil das Eis abschmilzt?

Fundstücke

Freitag, März 23rd, 2007

Altona liegt an der Elbe. Ich mag es, am Strand spazieren zu gehen und mir die Dinge anzusehen, die der Fluss so anspült. Holzstücke, Steine, Schiffsabfälle. Hier zwei geistige Fundstücke: Zunächst ein Zitat von Tanja Dückers, gefunden in: “Schöne Wut” auf ZEIT online: “Kunst hat von der Höhlenmalerei bis zur Gegenwart Zeugnis von menschlicher Weltwahrnehmung abgelegt. Und die ist nun einmal subjektiv (…) Wahrnehmung ist immer Selektion, somit Bewertung und Meinung, deshalb ist die Vorstellung, dass das »Ich« in der Lyrik nicht mehr vorkommen dürfe, beim Wort genommen, identisch mit einem Schreibverbot.” Gilt das auch für den Auch im Journalismus ist das »Ich« verpönt, gilt das auch für blogs?

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Das zweite Fundstück: Ein Skribbel, entstanden während einer Präsentation zum Thema Markengestaltung, die mich nicht überzeugte…

MySterium

Mittwoch, März 21st, 2007

“Kritzeln hat wirklich etwas Therapeutisches.” Mein Nachbar schaut zufrieden auf sein Ergebnis, entstanden während einer Fortbildung für Schreiberlinge. Ich kann ihm da nur zustimmen. Hier mein “MySterium”.

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Schreiben im Alltag

Dienstag, März 20th, 2007

“Schreiben ermöglicht es (…) Alltag zu strukturieren. Schreiben ist ein Weg, sich Zeit zu eigen zu machen. Aber nicht nur Zeit sondern auch Raum. Um Schreiben zu können, muss man sich im Alltag Raum dafür schaffen. Ein bestimmter Zeitraum am Tag muss dieser Beschäftigung vorbehalten bleiben, man braucht einen gewissen Freiraum, um ihr ungestört nachgehen zu können.” Diese Zeilen schrieb Jan Verwoet, um die Arbeiten des behinderten Künstlers Harald Stoffers zu würdigen. Sie beschreiben auch das Bloggen, finde ich. Innere Freiräume sind dabei besonders wichtig. Die müssen erkämpft werden. Besonders, wenn Gefühl und Verstand in unterschiedliche Richtungen streben. Hannes Wader sagt im Interview mit der ZEIT: “Ich habe große Probleme mit dem einverstanden zu sein, was ich mache. Ich muss mir das richtig sagen, dass das ganz in Ordnung ist, was ich mache. Empfinden kann ich es nicht.” Kein Tag ohne eine Zeile. Jeden Tag eine neue Herausforderung.

Eben gefunden: “Der kurze Satz ist der Rambo der Grammatik. Subjekt, Verb, Objekt, das schreit nach Intensität und Wichtigkeit, jeder Nebensatz wird zur Bedeutungsbremse. Kurze Sätze versprühen die Aura der konzentrierten Wahrheit, weil man sich lügnerische Lakoniker nicht (…) vorstellen kann.” (Jutta Person in der SZ vom 20.3.07, S. 5.) Das erinnert mich an Wolfgang Borcherts “Draußen vor der Tür”.

Twisting Pixels

Montag, März 19th, 2007

Twisting Pixels. Ein Programm, das Dirk Metzmacher in seinem blog empfahl. Ich habe es mal ausprobiert:

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Zitate

Samstag, März 17th, 2007

“Ein ruhiges Meer bringt keine guten Seeleute hervor” lautete der Text in einem Glückskeks, den ich gestern bekam. Ich war getroffen. Ich Wurm, ich! Wie konnte ich nur jammern und greinen über so manches Ungemach, das mir das Leben beschert, um daran zu wachsen. Inzwischen sieben Meter Neunzig lang, verbeuge ich mich vor der Weisheit des Universums, das mir aufmunternde Botschaften zu senden scheint. Darf ich mich wie George Clooney und seine Mannen fühlen, die mit ihrer Nussschale tapfer auf die Monsterwelle zuhalten? Oder eher wie Ahab, der -Holzbein sei wachsam!- einem weissen Wal seinen Rest geben will? Aber wo nur ist Flipper, der mir aufmunternd in die Seite stupst, wenn ich im Selbstmitleid abzusaufen drohe? Fürwahr, das Meer ist momentan gar stürmisch. Aber was waren die weisen Worte meines Lehrers, die er grinsend sprach: “Das Leben ist eines der härtesten und endet meist tödlich!” Dieser Scherzkeks…